Was haben wir denn eigentlich vor dem Kind den ganzen lieben Tag lang gemacht? Große Karriere, Studium, Ausbildung, ein guter solider Job? War der Vollzeitjob als Mutter die Erfüllung unserer Träume? Oder etwa nicht? Was waren unsere Ziele? Was sind sie jetzt?
Das ist hier nicht das Thema? Hier geht es nun wirklich nicht um Selbstverwirklichung – wir können uns gar nicht leisten, eine Vollzeitmutter zu sein! Wer soll denn bitte die Brötchen ranschaffen?
Oder haben wir ein gemütliches Finanzpölsterchen und können uns dafür entscheiden jetzt mal ein paar Jahre zuhause bei dem Kind zu sein, weil Vati eine Zeit lang genug Geld für die Familie verdienen kann? So viel Spielraum ist natürlich richtig klasse. Aber auch nicht immer einfach. Denn vielleicht lieben wir unseren Job ja und möchten einfach weiterarbeiten! Oder bleibt Vati zuhause, weil wir einfach mehr Geld verdienen können? Was ist denn jetzt richtig? Was ist das Beste für unser Kind? Was ist gut für uns?
Und was erwarten andere von uns? Was werden wir denn schon mal abends auf einer Einladung gefragt? Doch nicht, wie gut der Haushalt läuft, oder? Sondern was wir beruflich machen. Und wenn wir dann vor uns hin stammeln, dass wir zur Zeit eigentlich ‘nur’ Mutter sind – Applaus? Wohl kaum. Eher betretenes Schweigen.
Wie sieht sie denn eigentlich aus, die perfekte, hippe Mutter?
Sie sieht gut aus, wirkt entspannt und hält sich mit Yoga oder Pilates fit. Natürlich ist sie auch berufstätig, dabei selbstverständlich erfolgreich, und trotzdem kümmert sie sich liebevoll um das Kind, immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie hat noch Zeit für Hobbys, und so ganz nebenbei erledigt sie mit links auch noch das bisschen Haushalt.
Kurz und gut: Supermum!
Und da stehen jetzt wir. Mitten in der Realität. Und versuchen unser Bestes, all diesen Vorstellungen gerecht zu werden. Egal, ob wir uns einen abmühen und versuchen, als Vollzeitmutti im Brotbackkurs zu bestehen, weil es so gesund für unser Kind ist. Oder sich der Teilzeitjob doch nicht wirklich in Teilzeit machen lässt und nicht genug Geld übrig bleibt. Oder es wirklich hart ist, in Vollzeit zu arbeiten und außerdem noch eine geduldige, aufmerksame Mutter zu sein, auch wenn das Geld passt. Unser Siegerlächeln friert gelegentlich schon mal ein. Und unser Leitmotiv ist oft: Augen zu und irgendwie durch den Tag!
Und trotzdem findet immer irgendjemand was zu motzen. Immer mal wieder. Obwohl es doch nun wirklich auf der Hand liegt, dass das alles zusammen nicht einfach ist! Wie soll eine berufstätige Mutter denn die vorweihnachtliche Bastelstunde im Kindergarten zeitlich schaffen, wenn diese Veranstaltungen gerne mal um 15 Uhr stattfinden. Da arbeitet sie nun mal noch!
Was passiert denn, wenn sie es nicht schafft, bei so einer Veranstaltung zu erscheinen? Sind wir doch mal ehrlich. Die anderen Mütter zerreißen sich doch zu gerne das Maul darüber! Vor allem, wenn das Kind auch noch von den anderen als eher schwierig eingestuft wird, liegt der Fall ganz klar auf der Hand: Die Mutter kümmert sich nicht richtig um ihr Kind! Und da wird dann ausdiskutiert, ob diese Mutter arbeiten gehen muss oder arbeiten gehen will. Wenn sie muss, dann schwingt bei den anderen Müttern Mitleid für das Kind samt Mutter mit. Oder sie geht freiwillig arbeiten – dann ist sie eine Rabenmutter, die zu egoistisch ist, sich entsprechend um ihr Kind zu kümmern. Mitleid gibt es dann nur für das Kind.
Umgekehrt ist es für die berufstätige Mutter aber auch jedes Mal ein echtes Problem im Job, wenn ihr Kind mal krank ist und sie dann selbst nicht arbeiten kann. Das lässt sich nicht wirklich karrierefördernd verkaufen. Da winkt dann sicher in nächster Zeit keine Gehaltserhöhung!
Vollzeitmütter hingegen werden häufig gefragt, wann sie denn eigentlich wieder anfangen zu arbeiten. Sie geraten häufig in Bedrängnis und haben das Gefühl, sie müssten sich rechtfertigen: Entweder erklären sie, dass sie bewusst ‘nur’ Mutter und Hausfrau sind, weil diese Tätigkeit absolut ausfüllend ist. Oder sie meinen, sich damit rechtfertigen zu müssen, dass das nur ein vorübergehender Zustand ist und der alte Job natürlich sobald wie möglich wieder aufgenommen wird.
Wer maßt sich eigentlich an, uns Frauen in Schubladen zu stecken? Beruflicher Ehrgeiz wird gleichgesetzt mit unzureichenden Muttergefühlen. Eine Vollblutmutter wird wie ein Dummbeutel behandelt, die den ganzen Tag nichts anderes macht, als ihre Nägel zu lackieren, ein Schaumbad nach dem anderen zu nehmen und sich vor wirklicher Arbeit drückt.
Ob unsere Tätigkeit uns jetzt ausfüllt oder nicht, uns gar überfordert oder einfach nötig ist, haben nur wir selbst zu beurteilen. Einmischen verboten!
Mischen wir uns denn eigentlich auch so in das Leben anderer ein? Wenn andere Muttis nun mal andere berufliche Entscheidungen treffen als wir? Ja? Lästern wir schon mal leidenschaftlich mit? Wie wäre es mit einer Prise ‘leben und leben lassen’?
Schluss mit dem gegenseitigen Zickenkrieg! Von der vielbeschworenen Solidarität unter Frauen ist hier wenig zu spüren. Stattdessen Konkurrenzdenken allerorten. Zum Glück hat das Privatfernsehen noch keinen Contest ausgelobt, nach dem Motto: DSDSM – Deutschland sucht die Supermami! Das gäb ein Hauen und Stechen! …